Logo Martin Kleine - Business Coach für Gründer mit ADHS

Die Diagnose hat nichts verändert. Nur alles erklärt.

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Wir waren in der Erding-Therme bei München. Am Samstag hatten wir einen Geburtstag gefeiert, und weil wir schon mal da unten waren, sind wir am Sonntag noch in die Therme. Ich liebe Sauna.

Zwischendurch habe ich ein Buch gelesen, das wir gekauft hatten, weil meine Nichte die ADHS-Diagnose bekommen hatte. Nichts Spektakuläres, einfach ein Sachbuch. Ich wollte besser verstehen, was bei ihr los war.

Und dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.

Es war nicht ein Symptom. Es war die Summe.

Ich saß da in der Therme, las Seite für Seite, und dachte: Moment mal.

Das passt nicht nur auf meine Nichte. Das passt auch auf mich.

Nicht nur ein Punkt. Nicht nur eine Eigenschaft. Es war die Summe. Seite für Seite fühlte es sich an, als hätte jemand über mich geschrieben.

Die Schwierigkeit, Dinge anzufangen, die langweilig sind. Die Unfähigkeit, Projekte fertigzustellen, wenn der Reiz weg ist. Die ständige Suche nach dem nächsten Ding, das interessant ist. Die überraschende Fähigkeit, bei den richtigen Sachen komplett im Flow zu sein - stundenlang, ohne Pause.

Ich kannte das alles. Ich hatte es nur nie zusammengesehen.

Und während ich da saß und las, dachte ich: Könnte das sein?

Das Gespräch mit meiner Frau

Ich habe es direkt mit meiner Frau besprochen, wir saßen ja noch zusammen in der Sauna. Ich habe ihr erzählt, was ich gerade gelesen hatte. Und sie sagte: “Ja, das würde ich für möglich halten.”

Nicht überrascht. Nicht ungläubig. Einfach: Ja, könnte sein.

Das war eigentlich schon eine ziemlich klare Antwort.

Ich habe dann entschieden: Okay, ich mache einen Test. Wenn es so ist, dann will ich das wissen.

Die Hürde: Niemand nimmt dich

Das war schwieriger als gedacht.

Ich habe Teststellen angerufen. Psychiater, spezialisierte Praxen. Die Antworten waren überall gleich: “Wir sind überlaufen. Unsere Warteliste ist geschlossen. Rufen Sie nächstes Jahr nochmal an, vielleicht können wir Sie dann auf die Warteliste setzen.”

Nächstes Jahr. Auf die Warteliste.

Nicht: Sie sind in 12 Monaten dran. Sondern: In 12 Monaten können wir vielleicht anfangen, darüber nachzudenken, Sie in die Schlange zu stellen.

Das war systemischer Frust. Ich wollte nur wissen, ob das stimmt, was ich gelesen hatte. Aber das System war komplett überlastet.

Der Glücksfall

Dann hatte ich Glück.

Ich rief bei einem privaten Psychologen an, der die Tests machen darf. Und es war gerade spontan ein Termin freigeworden. Jemand hatte abgesagt.

Ich bin direkt hingefahren.

Die echte Diagnose

Es war kein Online-Quiz. Es war kein Selbsttest. Es waren drei Sitzungen, ewig lange Fragebögen, und ich musste meine Grundschulzeugnisse mitbringen.

Das war gründlich. Sehr gründlich.

Der Psychologe wollte nicht nur wissen, wie es mir heute geht. Er wollte wissen, wie es früher war. In der Kindheit. In der Schule. Ob die Symptome durchgängig da waren, oder erst später aufgetaucht sind.

Er hat sich Zeit genommen. Er hat sich die Fragebögen angeschaut, mich nochmal dazu befragt, Rückfragen gestellt.

Das Ergebnis war sehr eindeutig. Ich habe ADHS.

Ich hatte mehr erwartet

Ehrlich gesagt hatte ich gedacht, dass sich danach mehr verändert.

Es war keine große Erleuchtung. Kein Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergab. Keine Tränen, kein emotionaler Durchbruch.

Es war einfach: Okay, jetzt weiß ich es.

Es hat einiges erklärt, klar. Warum ich so ticke, wie ich ticke. Warum manche Dinge bei mir anders laufen als bei anderen. Warum ich bei bestimmten Strukturen komplett aufblühe und bei anderen innerlich zusammenbreche.

Aber es hat nicht viel verändert. Ich hatte mir mein Leben ja schon so gebaut, dass ich gut klarkomme. Meine Firmen. Meine Projekte. Meine Art zu arbeiten.

Ich wusste noch nicht, dass es ADHS heißt. Aber ich wusste schon, was für mich funktioniert.

Die Diagnose war eher eine Bestätigung. Eine Erklärung im Rückspiegel.

Was sich geändert hätte, wenn ich es früher gewusst hätte

Ich habe im letzten Artikel erzählt, wie der Großkonzern mein Gehirn gebrochen hat. Excel-Tabellen, die niemand liest. Prozesse, die für eine bestimmte Gehirn-Norm gebaut sind. Die Hölle für mein Gehirn.

Und ich denke mir: Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich vermutlich schon früher raus.

Als sich abgezeichnet hat, wie es im Großkonzern werden würde - ich hätte vermutlich nicht versucht, mich da durchzubeißen. Ich hätte mir vermutlich wieder eine kleine Firma gesucht. Einen Rahmen, in dem ich funktioniere.

Ich habe versucht, mich anzupassen. Ich dachte, ich bin nicht strukturiert genug. Ich muss mehr Disziplin haben.

Aber das war nie das Problem.

Das Problem war die Umgebung. Und Umgebung schlägt Willenskraft. Immer.

Du bist nicht kaputt. Du tickst nur anders.

Falls du beim Lesen denkst: Das klingt verdammt vertraut - vielleicht lohnt der Blick.

Kein Drama. Keine große Erweckung. Aber vielleicht eine Erklärung.

Und vielleicht die Erkenntnis, dass du nicht mehr Disziplin brauchst. Sondern einen Rahmen, in dem dein Gehirn das tun kann, wofür es gut ist.

Ich coache heute Gründer, die genau da feststecken. Die denken, sie sind das Problem. Die sich selbst die Schuld geben, weil sie nicht “normal” funktionieren.

Falls du gerade an so einem Punkt bist: Ich habe aufgeschrieben, was beim Gründen mit ADHS wirklich hilft.

Aber du bist nicht das Problem. Der Rahmen ist es.

Falls du darüber reden willst, bin ich da. Kein Verkaufsgespräch. Einfach nur: Ich kenne das. Und ich kann dir zeigen, wie ich mir meinen Rahmen gebaut habe.