Businessplan bei der Arbeitsagentur. Wie ich Coach wurde, ohne den Beruf zu wechseln.
Das Konzern-Kapitel war zu. Ich war freigestellt, hatte Zeit, mich zu erholen.
Und dann? Dann kam erstmal: nichts.
Ich war kraftlos. Ich hatte keine große Vision. Kein Erleuchtungsmoment, in dem ich plötzlich wusste, was ich mit meinem Leben anfangen will.
Ich musste mich erstmal erholen.
Das dauert halt
Wenn du nach einem Burnout denkst, du müsstest nach ein paar Wochen wieder voll einsatzbereit sein - vergiss es.
Es hat gedauert. Länger, als ich dachte. Länger, als ich wollte.
Ich war nicht bettlägerig. Ich war nicht komplett ausgeknockt. Aber ich war auch nicht der Typ, der direkt durchstartet und die nächste Firma gründet.
Ich habe mich erholt. Ich habe mich sortiert. Und ich habe angefangen, darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll.
Aber es war kein Sprint. Es war ein Prozess.
Die Frage: Zurück ins Angestelltendasein?
Irgendwann musste ich mir die Frage stellen: Was jetzt?
Ich hatte ja eine gewisse Expertise. Ich hätte mich wieder irgendwo bewerben können. Vielleicht wieder bei einer kleineren Firma. Projekt-Management, Softwareentwicklung, Consulting. Ich hätte wahrscheinlich etwas gefunden.
Aber ich wollte nicht.
Nach allem, was der Großkonzern angerichtet hatte, war das keine Option mehr. Ich hatte gesehen, was passiert, wenn ich versuche, mich in Strukturen zu pressen, die für mich nicht funktionieren. Excel-Tabellen, die niemand liest. Prozesse, die keinen Sinn ergeben. Die Hölle.
Ich wollte nie wieder in so eine Situation.
Zurück ins Angestelltendasein? Nein. Nicht mehr.
Was ich eigentlich immer schon gemacht habe
Dann fiel mir etwas auf.
Eigentlich hatte ich Leuten schon immer beim Gründen geholfen.
Nicht offiziell. Nicht als Job. Einfach so, weil es sich ergeben hat.
Flowtando, die Tanzschule, die ich mit meiner Frau aufgebaut habe - seit 2016 läuft die. Ich war da von Anfang an dabei, habe sogar selbst Tanzkurse gegeben. Vor allem aber habe ich geholfen, die ganzen Business-Sachen aufzusetzen. Was brauchen wir? Wie rechnet sich das? Worauf müssen wir achten?
Dann war da eine Freundin, die sich als Personal Trainerin selbstständig gemacht hat. Ich habe mich mit ihr zusammengesetzt, wir haben durchgesprochen, was auf sie zukommt. Was sie alles braucht. Wie sie das angehen kann.
Ein anderer Freund wollte sich einen eigenen Friseursalon aufbauen. Auch da: Gespräche. Planung. Ich habe ihm geholfen, einen Blick dafür zu bekommen, an was er alles denken muss.
Der rote Faden war immer der gleiche.
Die meisten Leute wussten gar nicht, was auf sie zukommt. Sie hatten eine Idee, aber keine Ahnung, wie viele Sachen da eigentlich dranhängen. Was sie organisieren müssen. Was sie beantragen müssen. Welche Stolperfallen da lauern.
Und ich? Ich konnte ihnen diesen Blick geben. Weil ich es selbst durchlaufen hatte. Mehrfach.
Küchentisch-Gespräche mit Kerstin
Ich habe angefangen, mit meiner Frau darüber zu reden.
Wir haben uns am Küchentisch zusammengesetzt. Immer wieder. Und die Idee hat sich langsam geschärft.
Was, wenn ich das zum Hauptberuf mache? Das, was ich eh schon immer gemacht habe - nur offiziell?
Leuten helfen, die gründen wollen. Die feststecken. Die nicht wissen, wie sie anfangen sollen oder warum es bei ihnen nicht voran geht.
Es war kein Blitzmoment. Aber es wurde immer klarer.
Selbst den Weg gegangen
Im November 2024 ging es los.
Ich habe das gemacht, wobei ich heute anderen helfe. Ich bin selbst den Weg gegangen.
Erster Schritt: Antrag auf Gründerzuschuss bei der Arbeitsagentur.
Dafür brauchst du einen Businessplan. Eine fachkundige Stellungnahme. Du musst zeigen, dass das, was du vorhast, wirtschaftlich tragfähig ist.
Ich habe den Businessplan geschrieben. Die fachkundige Stellungnahme kam von der IHK - deren Urteil: ein richtig guter Plan. Dann habe ich den Antrag gestellt.
Und gewartet.
Als der Gründerzuschuss bewilligt war, kam Schritt zwei: Gewerbeanmeldung.
Das war der offizielle Start. Business Coach.
Es war ja nicht meine erste Gründung. Ich hatte Neovelop gegründet, ein EXIST-Startup. Ich hatte PriceParser gebaut und betrieben. Ich war bei Flowtando mit dabei. Ich wusste, wie das geht.
Aber ich bin trotzdem selbst den Weg gegangen, den ich heute mit meinen Klienten gehe. Nicht, weil ich es musste. Sondern weil es mir wichtig war, dass ich genau das durchlaufe, wobei ich anderen helfe.
Dann kam die Diagnose
Ich war schon Coach, als die Diagnose kam.
Die Geschichte habe ich im letzten Artikel erzählt. Erding-Therme, ein Buch über ADHS, das wir wegen der Diagnose meiner Nichte gekauft hatten. Seite für Seite passte es auf mich.
Und plötzlich ergab alles Sinn. Warum AIT am Anfang so gut funktioniert hatte. Warum Siemens die Hölle war. Warum ich bei bestimmten Sachen komplett im Flow bin, und bei anderen gegen eine Wand renne.
Die Diagnose hat nichts verändert. Aber sie hat alles erklärt.
Und sie hat mir eine Frage gestellt.
Die Marktlücke im eigenen Markt
Ich war frisch gestartet als Business Coach. Und dann kam die Erkenntnis: Ich habe ADHS.
Wenn es bei mir so ist, dachte ich, wie viele andere gibt es da draußen, die genau das gleiche durchmachen?
Die gründen wollen. Die eine Idee haben. Die aber feststecken, weil sie nicht verstehen, warum bei ihnen alles anders läuft als bei anderen?
Ich habe angefangen zu recherchieren. In meinem eigenen Markt. In dem Markt, in dem ich gerade gestartet war.
Und ich habe festgestellt: Es gibt eigentlich niemanden, der sich darauf spezialisiert.
Es gibt Business Coaches für alles Mögliche. Für Führungskräfte. Für Vertrieb. Für Strategie. Für Marketing.
Aber niemand spezialisiert sich auf Gründer mit ADHS.
Dabei gibt es so viele Menschen mit ADHS, die sich selbstständig machen. Die gründen müssen, weil sie im Angestelltendasein nicht funktionieren.
Was beim Gründen mit ADHS wirklich hilft, habe ich inzwischen in einem eigenen Guide aufgeschrieben.
Das war die Marktlücke. Und ich stand mittendrin.
Die Diagnose gab meinem Coaching erst den Fokus.
Der Bogen schließt sich
Rückblickend war es kein Karrierewechsel.
Ich habe nicht meinen Beruf gewechselt. Ich habe nur offiziell gemacht, was immer schon da war.
Früher habe ich Leuten beim Gründen geholfen, weil es sich ergeben hat. Heute ist es mein Job.
Früher habe ich Gründungen durchlaufen, weil ich meine eigenen Projekte hatte. Heute coache ich andere dabei.
Und die Diagnose? Die hat dem Ganzen erst den Fokus gegeben. Sie hat mir gezeigt, wo die Lücke liegt. In meinem eigenen Markt.
Heute helfe ich Menschen, die gründen wollen. Die feststecken. Die nicht verstehen, warum es bei ihnen nicht vorangeht.
Und ich kann ihnen helfen, weil ich es selbst durchlebt habe. Weil ich weiß, wie es ist, wenn dein Gehirn anders tickt. Wenn die Standard-Ratschläge bei dir nicht funktionieren. Wenn du denkst, du bist das Problem.
Du bist nicht das Problem. Du brauchst nur einen anderen Rahmen.
Die offizielle Version der Küchentisch-Gespräche
Heute biete ich das an, was ich früher mit Kerstin am Küchentisch gemacht habe.
Nur strukturierter. Nur fokussierter. Nur mit einem klaren Ziel.
Ich nenne das den Visionsworkshop.
Wir setzen uns zusammen. Wir schauen uns an, wo du gerade stehst. Was du vorhast. Was dich blockiert. Was dein Gehirn braucht, um das umzusetzen, was du dir vorgenommen hast.
Es ist kein Verkaufsgespräch. Es ist ein echtes Gespräch. So wie die Küchentisch-Gespräche von früher.
Nur dass ich heute weiß, was ich tue. Und dass ich dir zeigen kann, wie du dir deinen Rahmen baust.
Falls du gerade feststeckst. Falls du eine Idee hast, aber nicht weißt, wie du anfangen sollst. Falls du denkst, du bist das Problem.
Dann lass uns reden.